Geschichte der Hochpotenzen

Obwohl es zu Hahnemanns Zeit bereits Potenziermaschinen gab und er auch von ihnen wusste, war Hahnemann der Meinung die Herstellung homöopathischer Arzneien solle mit Verschüttelungen per Hand stattfinden. Hahnemann benutze in den letzten 8 Jahren seines Lebens bereits Potenzen bis zur C200, seine 'Lieblingspotenz' war aber dennoch die C 30. Der Russe Korsakoff (1788-1853) war der Erste, der Hochpotenzen in die Homöopathie brachte. 1831 berichtet Korsakoff von seinem Versuch die Potenzierung bis zur C 1500 zu steigern und Hahnemann nannte Korsakoffs Versuche "unschätzbar" und "wichtig, um herauszufinden an welchem Punkt die hohen Potenzen ihre Wirkung verlieren", auch wenn er weiterhin die regelmäßige Anwendung der C 30 empfahl. Bönninghausen war dann derjenige, der nach dem Tod Hahnemanns 1843 systematisch die C 200 einsetzte. Er stellte diese selber her oder benutzte die Präparate von Lehrmann. 1849 schreibt er "Ich habe seit 5 Jahren fast ausschließlich hohe Potenzen {über der C 30} verwendet, und mit solch guten Ergebnissen, das ich wahrscheinlich nie wieder zu niedrigen Potenzen zurückkehren werde". Der nächste, welcher Hochpotenzen (von der C 200 bis zur C 2000) herstellte war der Deutsche Jenichen (1787-1849). 1844 berichtete Gross als erster von der Anwendung der Jenichen-Potenzen. Er lobt, dass diese höheren Potenzen seine kühnsten Erwartungen übertroffen hätten und wesentlich schneller, kräftiger und sicherer wirken würden, als die niederen Potenzen. Hering erhielt von Stapf 1845 zu seinem 45.Geburstag ein Set von Jenichens C 200 und C 300, legte diese aber beiseite, da er zu der Zeit vorwiegend Korsakoffs Potenzen benutzte. Als Stapf ihn aber motivierte die Jenichen-Potenzen auszuprobieren, merkte Hering, das höhere Potenzen bei Fällen Resultate ergaben, wo die niedrigeren Potenzen bis zur C 30 keine Ergebnisse gebracht hatten und das die Genesung mit hohen Potenzen schneller verlaufe. Lippe war der nächste, welcher mit Jenichens Potenzen experimentierte und 1846 schreibt er, das er nun seit 4 Monaten ausschließlich Jenichens Hochpotenzen von 150 Mitteln verwendet habe und das diese den bisherigen niedrigeren Potenzen weit überlegen wären, da sie schneller, effektiver wirken. Diverse weitere Homöopathen wie Jahr, Hartlaub, Aegidi, Dunham, Nunez in Spanien, etc. benutzten und schätzten Jenichens hohe Potenzen. Aber es gab ein großes Problem mit diesen Potenzen, Jenichen wollte nicht verraten, wie er sie herstellte. Das erzürnte verständlicherweise viele und schürte Misstrauen gegen diese Potenzen. Daher benutzte Lippe nach einem Deutschland-Besuch 1860 vorübergehend die Potenzen von Lehrmann, welcher laut Bönninghausen sehr gute handverschüttelte Mehrglas-Potenzen in der C 200 herstellte. Fincke - welcher mit seiner neuen Methode der Fluxions-Potenzierung rasch sehr hohe Potenzen herstellen konnte - gab dann 1865 Lippe und Hering einen kompletten Satz seiner Fluxionspotenzen (von der C200 bis zur MM). Seit diesem Zeitpunkt und bis zu seinem Tod 1888 benutzte Lippe fast ausschließlich Finckes Fluxions-Potenzen. Zu ihrer Wirkung, im Vergleich zu den anderen Potenzarten, schreibt Lippe 1867: "Lehrmanns C200-Potenzen wirken sehr ähnlich den C30-Potenzen von Hahnemann; Jenichens {Potenzen} wirken wesentlich intensiver, und Finckes Potenzen überragen sie in Bezug auf die Intensität bei weitem". Obwohl die Potenzen von Fincke also offensichtlich sehr wirkungsvoll waren und von diversen Homöopathen (Hering, Lippe, Dunham, Skinner, Berridge, Kent u.a.) geschätzt wurden, blieb ihre Verwendung auf Nordamerika begrenzt.