Dr. Fincke - Lebensbild

Bernhardt Maximillian Fincke, MD
7. Januar 1821 - 21. October 1906


Geboren wurde Fincke als eines von acht Kindern in Sachsen. Sein Vater war Direktor der Oberschule, Komponist und Leiter eines Orchesters. Fincke, „besonders tüchtig“ in Mathematik, beendete seine Schullaufbahn im Alter von 15 Jahren und arbeitete als Buchhalter. In seiner Freizeit widmete er sich wissenschaftlichen Studien. Im Alter von 25 Jahren erkrankte er in Frankfurt an Typhus. Während seines Krankenhausaufenthaltes traf er den Geistlichen William Taube, einen Nachfolger Hahnemanns, von dem er in die Homöopathie eingeführt wurde. Mit Pfarrer Taube erlernte er die Homöopathie und erwarb die Fähigkeit, seine eigenen homöopathischen Mittel herzustellen.

1851 besuchte er eine Tagung des „Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte“ in Leipzig und traf dort von Boenninghausen, der ihn überzeugte nach Amerika zu gehen – in das “verheissungsvolle Land” der Homöopathie. Er kam im August 1852 in New York an, schrieb sich an der Medizinischen Hochschule New York ein und erhielt seinen Abschluss als MD im März 1854. Dr. Valentine Mott, einer seiner Lehrer, sagte über ihn: “Keiner der Tausende, die ich prüfen durfte, hat ihn jemals übertroffen.”

Nach dem Examen ließ er sich in Brooklyn nieder. Es begann eine langjährige Freundschaft zwischen ihm und den Drs. P. P. Wells und Carroll Dunham. Seine Beziehung zu Dunham wurde durch Dunhams Aufsatz "Freedom of Medical Opinion and Action" („Freiheit der medizinischen Meinung und Tätigkeit“) (1870) belastet, mit dem dieser sich an das American Institute of Homeopathy wandte und "...aroused differences of opinion which led to his partial estrangement from Dr. Fincke as well as from other staunch Hahnemannians of the day, who foresaw it as a tendency to break down the barriers between the schools at the expense of homeopathic integrity." (...Meinungsverschiedenheiten hervorrief, die zu einer teilweisen Entfremdung von Dr. Fincke wie auch von den anderen überzeugten Hahnmanniern dieser Zeit führten. Sie sahen darin die Tendenz, die Grenzen zwischen den homöopathischen Schulen zu Lasten der Unversehrtheit der Homöopathie zu durchbrechen.“ )

1865 schrieb Fincke den Aufsatz „On High Potencies“ („Über hohe Potenzen“). Drei Jahre später heiratete er Maria Catherine Ficht. 1896 wurde er zum Vorsitzenden der International Hahnemannian Association gewählt. 1897 führte Fincke mit der Brooklyn Hahnemannian Union die erste Arzneimittelprüfung mit X-Ray durch.

In den späten 1860ern begann er mit der Produktion von Hochpotenzen. Viele seiner homöopathischen Arzneien werden noch heute verwendet.

Stuart Close zufolge lebte Fincke „zurückgezogen“ und „war den Mitgliedern seines Berufsstandes seiner eigenen Stadt nur wenig bekannt....Er war sehr sensibel und hatte eine zurückhaltende Art, so dass er nur langsam Vertrauen zu jemandem aufbaute. War es allerdings soweit, stellte er die Freundschaft nie mehr in Frage.“

Als eingebürgerter amerikanischer Staatsbürger hingen Bilder von Washington und Lincoln über seinem Kaminsims. Politisch gesehen war er überzeugter Republikaner. Was die Religion betraf, so war er lebenslang Mitglied der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche. Close berichtet, dass über Finckes Sommerresidenz in Bella Sylvia in Pennsylvania die amerikanische Flagge wehte. Er hisste sie jeden Morgen und holte sie jeden Abend ein.

Er war ausgebildeter Pianist und Hornist.

Sein Tod, so berichtet Close, war friedlich. Einige Tage vor seinem Ende hatte er Traumbilder, dass alle Flaschen in seiner Praxis größer als zwei Fuß wurden. „Höchst eigenartig“ sagte er. „Flaschen mit Köpfen, alle in einer Reihe, die sich nach vorn beugen und alle in eine Richtung gehen – nach Westen – der untergehenden Sonne entgegen.“
Texte zusammengestellt von Dr. Jochen Rohwer