Besonderheit

“Die Fincke-Hochpotenzen enttäuschen mich nie, wirken schnell, lang und tief“ J. T. Kent


„Fincke ist der Erfinder der Fluxionspotenzen. Nachdem er auf verschiedene Weisen Hochpotenzen hergestellt hatte, (…) konstruierte er eine Apparatur, die er am 24.August 1869 zum Patent anmeldete. Finckes Hochpotenzen waren weit verbreitet und wurden u.a. von Dunham, Skinner, Berridge und Kent benutzt. Dieses Herstellungsverfahren stellt eine kontinuierliche Fluxionsmethode dar und wurde von Fincke bis 1905 zur Herstellung von Hochpotenzen.verwendet.“
(Grimm, Andreas: Von manuellem zu maschinellem Potenzieren: Geschichte und Entwicklung von Potenziermaschinen. KH 38, 192-200 (1994)
Das Fluxionsverfahren, das in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts aufkam funktioniert folgendermaßen: Der pharmakologisch neutrale Verdünner (Wasser oder alkoholisiertes Wasser) fließt in ein mit einem Überlauf versehenes Gefäß, das eine bestimmte Menge der zu potenzierenden flüssigen Arznei enthält. Nach diesem Verfahren kann die Potenzierung auf verschiedene Weise erreicht werden. Die einfachste hängt von der Fallhöhe des Verdünners in das Fläschchen ab. Andere komplizierter Techniken variieren den Druck des Verdünners oder bewirken noch eine Drehbewegung des Strahls, der unter Druck durch ein feines Röhrchen gepresst wird.
Es scheint, dass Bernhard Fincke, in den USA als erster auf die Idee kam. Natürlich fehlten bei diesem Verfahren die Schüttelschläge, was bei denen, die ihm vorwarfen, die gewohnten Verfahren zu denaturieren, die heftigsten Diskussionen hervorrief. Der Streit war um so heftiger, da die genaue Prozedur nicht bekanntgegeben wurde. B. Fincke hatte nämlich seine Erfindung durch ein Patent vom 24.8.1869 schützen lassen. Man kann sich von seinem Gerät jedoch eine Vorstellung machen, und zwar dank der Beschreibung einer Maschine von Thomas Skinner, die in England entwickelt und als Abänderung des Apparates von Fincke vorgestellt wurde. Trotz der Widerstände wegen der geheimgehaltenen Zubereitungsart hatten Finckes Arzneien bei den angelsächsischen Ärzten einen sehr großen Erfolg, besonders in Amerika. Wir haben gesehen, wie Kent in seiner „Philosophy“ einen Fall zitiert, der mit einer Dosis Sulphur 55M von Fincke geheilt worden ist. Pierre Schmidt erklärt dazu in einer Notiz: „Diese 55M-Potenz, die in den USA bekannt war, wurde mit dem Apparat von Fincke hergestellt. Er war einer der ersten, der in Amerika hohe Potenzen herstellte, und dies mit sehr großer Sorgfalt. Aber da er mit seiner Praxis sehr beschäftigt war, konnte er seinen Apparat nicht immer zur richtigen Zeit abstellen, und deshalb erscheinen in der damaligen Literatur oft Zahlen wie 33M, 55M, 96M, 103M. Diese Zubereitungen wurden zahlreichen Homöopathen geliefert und haben viele Heilungen erzielt; man betrachtete sie als besonders zuträglich und wirksam. Erst später entwickelte Kent einen Apparat, mit dem er genaue Potenzen von 200, M, XM, LM, CM usw. vornehmen konnte“. (…)
Abschließend wird Thomas Skinner zitiert: „Wir schulden allein Dr. Fincke die Erfindung der besten aller Arzneipotenziermethoden“.(…)
Wie die Präparationen von Korsakoff, fanden die von Fincke ihre Verbreitung besonders in der angelsächsischen Welt. (…)
Noch zahlreiche weitere Homöopathen interessierten sich in den USA für diese Fluxionspotenzierung und verwendeten sie in einigen Varianten für die Herstellung ihrer eigenen Arzneien. Dies war auch der Fall bei Swan und Allen.
Diese Zubereitungen haben nicht nur historischen Wert, man findet sie noch in einigen privaten Pharmakotheken und sie können noch heute gebraucht werden.“
(Baur, Jacques: Das kontinuierliche Fluxionsverfahren. In: Baur, Jacques: Die Arzneizubereitung in der Homöopathie. KH 4, II. Teil, 150-166 (1983)

Wirkungsart der Fincke-Potenzen

Sie wirken kurz gesagt etwas schwächer und kürzer als vergleichbare verschüttelte Potenzen.
Reinhard Flick, ein österreichischer Kollege, der die Fincke-Potenzen in seiner Praxis ausprobierte beschreibt seine Erfahrungen folgendermaßen:
"Fluxionspotenzen wirken kürzer und schwächer als C- und Korsakoff-Potenzen".
"Vor allem die niederen Potenzgrade (Finckes C 500 und M) wirken sehr sanft und rufen kaum Erstreaktionen hervor."
"Vergleich zu C-Potenzen: Die Stärke der Fincke C 500 entspricht etwa einer C 30 oder etwas darüber (was interessant ist, da ja die Ausgangspotenz eine C 30 ist, und anschließend 7 x 500 Tropfen Wasser zugefügt werden). Die M liegt in ihrer Stärke etwa zwischen einer C 30 und C 200. Die XM wirkt etwas schwächer als eine C 200 und die LM kommt nicht ganz an eine C 1000 oder M nach Korsakoff heran. Die minimale Wirkdauer ist meist kürzer als bei C- und K-Potenzen (oft nur 3-4 Wochen)."
"Folge auf C- oder K-Potenzen: Die Fincke LM folgt gut wirksam auf eine M oder sogar XM (obwohl sie eigentlich viel schwächer sein müsste, was aber nicht zu sehr irritieren sollte, da auch Hahnemann lange Jahre mit absteigenden Potenzfolgen arbeitete und erst seit Kent das strikte System der steigenden Potenzen etabliert wurde). Ähnliches gilt für die Fincke 100 M, die in ihrer Wirkung zwar schwächer erscheint als eine XM, aber trotzdem gut auf sie folgt. Sie ist also gut einsetzbar, wenn man keine Korsakoff LM oder Korsakoff CM einsetzen will. Zu diesem Punkt muss auch bemerkt werden, dass nicht alle Hersteller wirklich transparent machen, ob die von ihnen angebotenen CM-Potenzen nach Korsakoff oder nach einem Fluxionsverfahren hergestellt wurden. Bei Anfragen in dieser Richtung stößt man öfter auf eine Mauer des Schweigens."

Mit oder ohne Verschüttelung?

Die Details der diversen verschiedenen Potenzier-Maschinen sind nicht Gegenstand dieses Artikels. Der wesentliche Unterschied bei den verschiedenen Herstellungsarten war die Frage Einglas- oder Mehrglasmethode bzw. Herstellung mit Verschüttelung durch Schüttelschläge oder ohne. Bei der Einglasmethode wurde ein Gefäß für alle aufsteigenden Potenzen verwendet, z.B. indem konstant ein Wasserstrahl in das Gefäß geleitet wurde, oder indem eine Maschine das Gefäß regelmäßig ausleerte und wieder mit Wasser füllte. Bei der Mehrglasmethode verwendet man für jeden Potenzierungsschritt ein neues Gefäß, was natürlich den Herstellungsprozess mühsamer und aufwendiger macht. Da man bei der Einglasmethode davon ausgeht, das durch den konstanten Wasserstrahl physikalisch Verwirbelungen entstehen, welche dem mechanischen Schütteln mit der Hand ähneln (wenngleich diese auch ev. etwas schwächere Potenzierungswirkung entfalten), verzichtet man auf zusätzliche mechanische Schüttelschläge, was den Herstellungsprozess erleichtert.

Fluxionspotenzen (= Verdünnen ohne Verschütteln):
Die Bezeichnung Fluxion stammt aus dem englischen Sprachgebrauch und bedeutet so viel wie fließen. Das Prinzip dieser Potenziermethode beruht auf der Beobachtung, dass Turbulenzen in einer Flüssigkeit einen Dynamisierungseffekt haben. Man kann innerhalb der Fluxionspotenzierung noch unterscheiden zwischen:
a) Kontinuierliche Fluxionsmethode: ständiges Verdünnen durch Wasserzulauf ohne dazwischen geschaltetes Ausleeren (Fincke, Skinner, Swan, H.C.Allen)
b) Diskontinuierliche Fluxionsmethode: Verdünnen durch abwechselndes Einfüllen und Ausleeren des Potenziergefäßes (Skinner, Boericke&Tafel) Beiden Methoden gemeinsam ist das Prinzip der Einglaspotenzierung.

Sukkussionspotenzen (= Verdünnen und Verschütteln):
Verdünnen im Centesimalverhältnis und Verschüttelung mit einer definierten Anzahl von Schüttelschlägen (Dunham, Mure, Boericke, Kent).

Es gab wie gesagt sehr verschiedene Herstellungsarten. Die bekanntesten Hersteller potenzierter Arzneien in der Zeit nach Hahnemann waren:
1) Korsakoff (Einglasmethode ab der C 30, trockenes Verschütteln von Globuli)
2) Lehrmann (Mehrglasmethode, mit Verschüttelungen)
3) Jenichen (Methode etwas unklar, aber sicher mit Verschüttelungen)
4) Dunham (Mehrglasmethode, starke Schüttelschläge durch Ölmühle)
5) Fincke (Einglasmethode bzw. Fluxionspotenzen)
6) Skinner (Einglasmethode bzw. Fluxionspotenzen)

Aber wirken diese Potenzen denn - und sogar heute noch?

Zunächst ist es für einen kritischen Kopf schwer nachvollziehbar, wie ein stundenlanges Fließen von Leitungswasser auf ein Glasfläschchen in dem sich vor Stunden ursprünglich eine potenzierte Flüssigkeit befand eine 'potenzierende' Wirkung haben soll. Und noch verwegener klingt ja die These, das in diesem ausgewaschenen Glasgefäß überhaupt noch Moleküle des Ausgangsstoffes vorhanden sein soll. Die ganze Geschichte mit den Fluxions-Potenzen klingt wie ein Homöopathie-Märchen aus der Ecke der Esoteriker. Zumindest logisch für mich nicht verstehbar. Was ich nachvollziehen kann, ist, das eine manuelle oder maschinelle Verschüttelung mittels Schüttelschlägen (unterschiedlicher Härte - siehe die Dunham-Potenzen) die Arznei-Wirkung kräftiger machen. Und das daher die hand- (oder maschinell) verschüttelten Potenzen mit der Mehrglasmethode 'bessere' Potenzen sind. Aber entspricht dieses Denken denn der Erfahrung? Offensichtlich nein!
Denn es zeigt die Erfahrung vieler alter und moderner Homöopathen, das die Frage Verschüttelung ja/nein keine wesentliche ist. Anders gesagt: auch wenn ev. ein geringer gradueller Unterschied in der Wirkung beobachtbar ist, bedeutet das keine absolute Nicht-Wirkung dieser Arzneien, welche zu einer Verurteilung oder Abwertung führen würde. Im Gegenteil. Die Erfahrung einer ganzen Homöopathengeneration an hunderten oder gar tausenden Fällen zeigte, das die Fincke-Potenzen wirken und das sie sogar kräftiger, tiefer und länger wirken als Lehrmanns handverschüttelte C200-Potenzen und Hahnemanns C30. Hinzu kommt, das auch heute Homöopathen (z.B. Saine in Kanada oder Kollegen in Europa und Südamerika) sehr zufrieden mit den Fincke-Potenzen sind und ihre kräftige Wirkung in der Praxis bestätigen können. Wir können also diese gründlichst in der Praxis geprüften Arzneien vertrauen, unsere Skepsis beiseite legen und es ist somit ein Geschenk, das wir noch heute diese historischen Arzneien und Potenzen benutzen und kaufen können (Details s.u.).

Fazit

Fincke hat mit seinen Fluxionspotenzen eine neue und leicht nachmachbare Form der Potenzierung geschaffen. Auch wenn diese Herstellungsart kritische Geister in Verwirrung oder Unglauben stürzt, zeigt doch die Erfahrung unserer Vorfahren und zeitgenössischer Homöopathen, dass diese Potenzen wirken. Ja, dass mit ihnen sogar die Potenzierungsgrenze anderer Arzneimittelfirmen bezüglich Hochpotenzen überschritten werden kann - zum Wohle vieler Patienten.
Verfügbar als Fincke-Potenzen sind: M, XM, LM, CM, MM, sowie Zwischenpotenzen, insgesamt über 1400 verschiedene Potenzen von mehr als 410 Mitteln. Es ist ein Segen, dass wir heute die gleichen Arzneien (also auch umstrittene Mittel wie Psorinum, Medorrhinum, Causticum u.a.) und gleichen Potenzen wie unsere Vorfahren Hering, Lippe u.a. verwenden können!