Hier ein kurzer Einblick in die höchst individuell nötigen Strategien der homöopathischen Tumorbehandlung mit Fallbeispielen aus der älteren homöopathischen Literatur. Diese Falldarstellungen stehen exemplarisch für heutige homoöpathische Krebsbehandlung:
1. der Patient hat (noch) einen Tumor
Strategie a) individuelle Symptome des Patienten:
Die Einschränkung dieses Weges ist die altbekannte Tatsache, dass Patienten mit Endzuständen meist weniger individuelle Symptome aufweisen, als jüngere chronisch Kranke. Das hat schon Kent schmerzlich erfahren müssen, wie das folgende Zitat belegt:
„... den Patienten heilen, seinen Krebs heilen bedeutet (..), dass man in der Krankengeschichte weit zurückgehen muss, um dort diejenigen Symptome zu finden, welche die ganze Krankheit repräsentieren, nicht nur die nun lädierten Gewebe am Ende der ganzen Entwicklung. Wenn der Patient in letzteren Stadien angelangt ist, haben die ursprünglichen Symptome sich oft völlig verloren, sie sind quasi von der Krankheit verschlungen worden.“ (Kent, Zur Theorie der Homöopathie, S.94)
Dies führt ihn ja dann zu eher skeptischen Aussagen bezüglich der Behandlung von Krebs:
„Sowohl pathologische Zustände [wie Krebs] als auch der Patient sind unheilbar, wenn keine Zeichen und Symptome vorhanden sind - und solange keine Zeichen und Symptome da sind, bleiben [diese Fälle] unheilbar“ (Kent :“Why is Cancer incurable“, Lesser Writings,
S. 222-223)
Nun darf man aber nicht den voreiligen Schluss ziehen, dass wir also individuelle Symptome bei der Krebsbehandlung >sowieso vergessen< können und uns von vornherein auf die Miasmatik und klinische Rubriken stürzen. Das wäre ein großer Kunstfehler und widerspräche sowieso dem Geist der Homöopathie und dem
§ 153 Organon.
Es ist nämlich im Gegenteil so: auch in Endzuständen, im Grunde solange der Patient atmet, solange ist es unsere Pflicht nach individuellen Symptomen zu suchen ich sage suchen, denn es ist ja in (den meisten!) Anamnesen nicht so, dass die guten Symptome einfach offen rumliegen, sondern meist müssen wir die Perlen mühsam erfragen, die Heil-Kunst beginnt in der Befragung des Patienten.
Wenn selbst durch genaues Nachfragen keine individuellen Symptome herauskommen, dann, aber erst dann bekommen die klinischen und miasmatischen Ebenen ein zentrale Bedeutung, dann muss im Grunde auf andere Strategien gewechselt werden .
Beispiel 1: Osteosarkom / Pulford
„Zu Beginn des Jahres 1923 wurde George W., ein Junge von 17 Jahren, zu uns gebracht. Vier Jahre zuvor hatte sich bei ihm ein Osteosarkom des rechten Kiefers gebildet, welches extrem schmerzhaft war und die Gesundheit des Jungens nach und nach schwächte.
2 Jahre lang wurde er regelmäßig aber erfolglos von modernen Allopathen und von Homöopathen behandelt. Er wurde dann den Chirurgen übergeben, die seinen Fall als Krebs diagnostizierten und daraufhin den Tumor und Teile des (Kiefer-)Knochens sowie seine Zähne entfernten. Dies brachte vorübergehende Erleichterung für 6 Monate. Dann wurde wechselweise erst mit Röntgen und dann mit Radium bestrahlt, aber ohne Erfolg. Voller Verzweiflung und als letzte Zuflucht wandte sich der Vater an uns (...)
Wir fanden das folgende: Der Tumor stand hervor, als wäre er fest über einen Baseball gezogen worden (...), das Gesicht war rot, eine umschriebene Röte, wechselnd in der Verfärbung, öfters in Flecken. Das Periost war entzündet, der Schmerz brennend und drückend, besser durch Reiben, schlechter durch Schlaf. Die betroffenen Areale waren verhärtet.
Gewaltiger Heißhunger mit einem starken Verlangen nach kalten Speisen, kalten Getränken und Eiscreme welches seinen Zustand bessert.
Diese Symptome und dieser Zustand wurden in höchstem Grad von einem Mittel abgedeckt, nämlich Phosphorus, welches in der C 30 gegeben wurde, einmal täglich,
7 Tage lang und Plazebo für den Rest des Monats.
Das erste Zeichen von Besserung war seine Rückkehr zu einem normalen Appetit. Er bekam dann eine Gabe der C 1000 und Plazebo; das Mittel wurde erst wiederholt, als die Wirkung nachließ und die Potenz wurde solange beibehalten bis sie keine Wirkung mehr zeigte. Innerhalb von 2 Jahren verbesserte sich die Gesundheit des Jungen grundlegend und nach fast 2 Jahren zeigte die C 1000 keine Wirkung mehr auf den Tumor. Die Potenz wurde dann auf die XM (= C 10.000) erhöht und in sehr kurzer Zeit begann das Gewächs zu verschwinden. Es bedurfte noch einer zweiten Gabe der XM um die Wirkung komplett zu machen und die Wunde dauerhaft zu verschließen.Der Junge ist nun (Juni 1925; = 2 Jahre) fast 6 Fuß groß, in bester Gesundheit, studiert als Jurastudent (...) und seine Mundschleimhaut sieht an der Stelle, an der vorher der Tumor saß, genauso aus wie das umliegende Gewebe. Er ist in perfekter Gesundheit und die betroffenen Teile sind so normal, wie sie früher waren.“ (Dr. A. Pulford, Homoeopatic Recorder, 1926)
Strategie b) (Totalität und) individuelle Tumorsymptome:
Nachdem wir gesehen haben, dass auch in Endzuständen individuelle Symptome des Patienten wichtig für die Mittelwahl sein können, gilt das um so mehr noch für die Individualität des Tumors selbst. Anders gesagt: oft produziert der Tumor individuelle Symptome die entscheidend für die Mittelwahl sein können.
Wir sollten als nicht denken, „das sind ja nur Lokalsymptome“, sondern sollten hier sehr genau hingucken.
Im Einzelnen können das sein:
- Schmerzen des Tumors (Lokalisation und Ausdehnung/Richtung, Empfindung, Modalitäten Begleitsymptome)
- Empfindungen des Tumors (z.B. Empfindlichkeit, Schwere, Taubheit...)
- Art der Absonderung (z.B. blutig, eitrig, scharf, übelriechend...)
- Aussehen und Konsistenz des Tumors (z.B. livide...; steinhart...)
- ev. Lokalisation
- ev. Art des Tumors (Sarkom, Epitheliom..)
Beispiel 2: Brustkrebs / Carleton
„Eine Frau in mittleren Jahren, Mutter eines Kindes, konsultierte mich im April 1901 wegen ihrer rechten Brust. Ich fand einen harten, unregelmäßigen, nicht verschieblichen Tumor von der Größe eines Gänseeies, mit eingezogener Brustwarze; dieser Tumor ist der Sitz von lanzinierenden Schmerzen. Ein wundes, lahmes Gefühl erstreckte sich bis in die Arme. Die Achselymphknoten waren hart und geschwollen. Die Patientin ahnte die Wahrheit und fürchtete das Messer. Sie war darüber hinaus eine ungewöhnlich intelligente und vernünftige Frau und fest überzeugt von der Homöopathie.
Meine erste Verschreibung war Conium C 200, in Wasser, 4 mal täglich bis sie eine Besserung merkt. Das Mittel war aber nicht ähnlich genug zu dem Fall und produzierte nur eine leichte Verschlechterung.
Phytolacca war das nächste Mittel. Dieser Mittelwechsel war durch die Vorgeschichte der Patientin beeinflusst: die meisten Frauen haben ein klares Wiedererscheinen der Schmerzen, die sie zur Zeit der Laktation hatten, so auch diese Patientin. Ihr Schmerz begann in der Brustwarze (welche Fissuren aufwies, als sie ihr Kind stillte) und strahlte über den ganzen Körner aus. Das ist charakteristisch für Phytolacca. Wenn es damals gegeben worden wäre, hätte es dann den Brustkrebs verhindert? Die Besserung durch das Mittel hielt 10 Monate an, dann trat ein Stillstand ein und neue Symptome erschienen.
Sie hatte nun Hitze auf dem Scheitel sehr rote Lippen reagierte schlecht auf ein Bad und hatte ein leeres sinkendes Gefühl im Magen um 11 Uhr vormittags. In Hinblick auf diese charakteristischen Symptome gab ich ihr einmal Sulf. CM (Fincke) auf die Zunge. Es half gut für 3 Monate, dann endete seine Wirkung.
Es entstand eine unregelmäßige Menses begleitet von Hitzewallungen. Unverträglichkeit von Druck an Hals und Bauch und schlechter Schlaf; alle Symptome schlechter nach Schlaf. Lach folgte natürlich.
Während all dieser Verschreibungen wurde der Krebs besser.
Zwei Monate später war eine erneute Gabe von Sulphur nötig. Ein Homöopath mit großer Erfahrung, der schon oft schwierige Fälle im/nach dem Klimakterium in den Hafen der Gesundheit geleitet hat, kennt diese Wechsel.
Das letzte Mittel half gut, ließ in der Wirkung nach, wurde wiederholt, tat wieder hervorragende Arbeit und nach 11 Monaten war seine Mission beendet.
Im September hatten wir eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Ausgangsfall, aber neue Indikationen erschienen: es bestand mehr körperliche und geistige Erschöpfung und die scharfen Schmerzen in der Brust waren schlechter durch Bewegung. Deshalb wurde Bryonia CM (Boericke & Tafel) verordnet. Besserung folgte, hielt 2 Monate an, wurde von einer erneuten Gabe des Mittels (=Bryonia) gefolgt, welche dann bis Anfang des folgenden Jahres anhielt.
Im Januar 1902, nach einer genauen und hartnäckigen Befragung, bekam ich raus, dass die scharfen Schmerzen in der Brust nicht so waren wie ein Stechen, oder Schneiden eines Messers, oder Stechen einer Biene, oder Pieksen einer Nadel, oder Bohren wie ein Splitter, sondern dass sie wie ein heißer Draht waren, der um das Organ herum gezogen wurde.
[Auswertung: Kent (1/486 oder 2020), Kapitel: Empfindungen, Zusammenschnüren, Gefühl eines Bandes, Reifens (u.a. Nit-ac. 3)]
Daraufhin verschrieb ich mit großem Vertrauen Acidum Nitricum CM (Fincke), eine Gabe auf die Zunge. Es war die beste Verschreibung der Serie, half mehr als die vorangegangenen Mittel und hielt über einen Monat, bevor das Mittel wiederholt werden musste. Die zweite Gabe beendete den Fall.
Innerhalb weniger Wochen war die Patientin in Ordnung und blieb es auch. Nach einem Krieg, welcher 3 Jahre gedauert hatte, war der vollständige Sieg unser.
Der unerfahrene Homöopath sollte nun nicht den Schluss ziehen, dass die Heilung schneller verlaufen wäre, wenn statt der anderen Mittel Acidum Nitricum schon eher gegeben worden wäre. Vielleicht wäre sie das, aber ich bezweifle das. In jedem Fall kann der sorgfältige Beobachter erkennen, dass jedes Mittel (bis auf das Erste) eine Besserung zur Folge hatte und den Weg freimachte für das Folgemittel.“
(aus: Dr. E. Carleton, Homoeopathy in Medicine and Surgery, 1913, Jain Publisher und: Homöopatic World, Nr 68-69, 1933)
Strategie c) Miasmatische und organotrope/tumorspezifische Mittel (Burnett)
Wenn individuelle Symptome des Patienten oder des Tumors fehlen, oder zur Ergänzung der Strategien I und II, empfiehlt sich die Vorgehensweise von Burnett. Er kombinierte:
a) eine antimiasmatische Behandlung (Analyse der miasmatischen Konstellation nach typischen körperlichen Zeichen und Symptomen des Patienten der Familie) - meist in Form der entsprechenden Nosode (Tub., Med., Syph., Psor.)
b) eine Causa-Behandlunci: bei ihm v.a. Folgen von Impfung Thuja!, ev. Vacc., Vario. u.a., Folgen von mechan. Trauma z.B. der Brust oder des Bauches Bell-p.!, Am., u.a., Organschwächen v.a. von Leber, Milz, Uterus/Ovarien = organotrope Mittel
c) eine Behandlung des Tumors mit tumorspezifischen Mitteln (pathologisches Simile)
Dabei gab er die antimiasmatischen Mittel und die Impfmittel in höheren Potenzen (z.B. C 200, M) und eher seltenen Gaben (z.B. 1 mal mtl.) und die tumorspezifischen und organotropen Mittel in tiefen Potenzen (z.B. Urtinktur, Cl) und häufigen Gaben (z.B. 1-3 mal tägl., 5 Tropfen in Wasser). Meist wechselte er die Mittel (a - c) häufiger, kam aber dann auch auf ein Mittel wieder zurück. Gelegentlich gab er mehrere Mittel (z.B. ein antimiasmatisches und ein tumorspezifisches Mittel) gleichzeitig.
Bsp 3: Brustkrebs /Clarke
Mrs. T., 41 Jahre alt, groß, hager, blaue Augen, ziemlich dunkler Teint, konsultierte mich am 21.12.1906. (..) (Die Patientin hatte vor 2 1/2 Jahren einen Knoten der rechten Brust. der wuchs. Anfangs war die Diagnose noch „Zyste“, später „Zyste mit kanzerösem Wachstum“. Sie ließ sich im Jan. 1 906 operieren, es kam zu einem Rezidiv, sie ließ sich im Verlaufe des Jahres 1906 noch 2 mal operieren, es traten aber immer wieder neue Knoten auf, woraufhin sie die Operationen satt hatte und sich an J. H. Clarke wandte]. Ich fand eine verzweigte Narbe vor, die das Gebiet der rechten Brust bedeckte (..). Die linke Brust war ziemlich knotig die Warze war flach, und in der Achsel war eine Drüse.
Bevor der Knoten erschien, litt die Patientin jahrelang an Magenbeschwerden, und als der Knoten sich bildete, wurden die Magenbeschwerden besser [= präkanzeröses Symptom]. (..) Ansonsten hatte sie ihr ganzes Leben eine gute Gesundheit gehabt. Ihre Mutter stammte aus einer tuberkulösen Familie und starb an einer Krankheit, von der man annahm, dass es Darmkrebs gewesen sei [= zusätzliche Indikation für eine Krebsnosode]. Sie war zweimal [Pocken-] geimpft worden, das letzte mal gerade vor 5 Jahren. Die Impfung >ging an<, und sie bekam einen sehr schlimmen Arm [Indikation für Thuja!]- den linken.
Seit 7 oder 8 Jahren hat sie die Neigung zu Neuralgie im Scheitel und Hinterkopf; sie wird besser durch Einhüllen des Kopfes und schlechter durch Erschütterung [= individuelle Silicea-Symptome]. Sie hatte eine Warze auf der Zunge gehabt, die nach Bestreichen mit Ätzmittel verschwand [= zusätzliche Thuja lndikation]. Seit der ersten Operation wacht sie morgens um
5 Uhr mit Schmerzen in der rechten Schulter und Hals auf. Immer ist ihr auf der rechten Seite kalt. Die Menstruation ist regelmäßig; manchmal starke Leukorrhoe [= Hinweis auf anti-sykotisches Mittel, bzw. Thuja]. [...] Verordnung Thuja [C] 30, etwa einmal in 10 Tagen [Begründung: Beginn der Behandlung mit der Causa (Folgen von Impfung); zusätzliche Hinweise auf Thuja: Leukorrhoe, Warze Frost einseitig.]
14. Januar 1907 [= 3 Wochen später]: Nicht so kalt auf der rechten Seite. Fühlte sich sehr gut. Verlor den Schmerz in der rechten Schulter. Knoten etwa gleich empfindlich bei Berührung [Einschätzung: AZ >, Tumor =, also Mittelwechsel]. Verordnung: Scirrhinum [C]100, auf dieselbe Weise [Begründung: Krebs bei der Patientin und Krebs in der Familie].
8. Februar [= 3 Wochen]: Hatte in der letzten Woche eine Erkältung im Kopf und auf der Brust. Ansonsten geht es ihr ganz gut. In den letzten Tagen viel Kopfschmerz in der Stirn und Hinterkopf. Knoten etwa gleich; kein Schmerz in ihm. In der rechten Achsel ist eine kleine Drüse zu fühlen. Verordnung: Silicea [C] 100, einmal pro Woche. [Begründung: Keine wesentliche Veränderung des Tumors; die Silicea-Symptome rücken stärker in den Vordergrund.]
8. März [4 Wochen]: Der Husten ist weg. Hatte Schmerzen im rechten Arm. [...] Der Knoten ist etwas kleiner geworden. Linke Brust ziemlich knotig. Ausstrahlende Schmerzen in den Knochen der Schulter [...]. Wiederholung der Verordnung. [Begründung: Der Tumor fängt an, kleiner zu werden.]
19. April [= 5 Wochen]: Der Schmerz im Arm wird schlechter. [...] Knoten kleiner und locker. Linke Brust sehr knotig. Verordnung: Carcinosinum C 100i, einmal in 10 Tagen. [Begründung: Leichte subjektive Verschlechterung. Stillstand der Heilungstendenz?; Burnetts Strategie: Immer wieder Zurückkommen auf wichtige Mittel: wenn Scirrh. nicht besserte, dann wirkt eventuell eine andere Krebsnosode.]
21. Mai [= 4 Wochen]: [...] Keine Schmerzen. Fühlte sich sehr gut. Knoten kleiner, Bekam eine zweite Warze auf der Zunge: sie blieb drei Wochen und verschwand dann. [..]. Wiederholung der Verordnung. [Begründung: Gute Reaktion!]
12. Juli [= 6 Wochen]: Sie fühlte sich wohl. Schwellung des rechten Armes ging weg, aber der rechte Zeigefinger ist noch geschwollen und schmerzhaft. Knoten gleich. Verordnung: Natrium cacodylicum, 1/4 gr.. 3 mal täglich eine Tablette, unmittelbar nach den Mahlzeiten [Begründung: Stillstand der Entwicklung, warum Clarke nun gerade Nat-cac. Einsetzte, ist mir unklar; bekannt ist zwar die Indikation „Mammacarcinom“ und „bösartige Tumore“, aber warum jetzt gerade Nat-cac.?]
16. August [=4 Wochen] Fühlt sich sehr gut. Schwellung des Fingers fast weg. Ich denke, die Wucherung ist kleiner. Wiederholung der Verordnung. [Begründung: Gute Reaktion.]
30. September [= 6 Wochen]: Keine Schmerzen. Fühlt sich immer müde. Schwitzt leicht. Die Schwellung des Fingers ist ganz weg. Wiederholung der Verordnung. [Begründung: Noch Besserung möglich?]
15. November [= 6 Wochen]: Fühlt sich in sich besser. Vor 3 Wochen bildete sich neben dem ursprünglichen Knoten ein roter Fleck. Empfindlicher unter dem Arm. Ich war etwas aus der Fassung gebracht durch das Erscheinen eines zweiten Knotens an einer Stelle die der Mittellinie näher lag als der erste. Ich verschrieb nun Phytolacca D 3, dreimal täglich 5 Tropfen, zusammen mit Scirrhinum [C] 100, einmal in 10 Tagen, beim Schlafengehen. Außerdem verschrieb ich eine Einreibung von Scrophularia nodosa [Urtinktur] in die Achsel, morgens und abends. Dies ist eine Maßnahme, die ich oft mit Vorteil von dem verstorbenen Dr. [R. T.] Cooper übernahm und die häufig von seinem Sohn [Le Hunt Cooper] bestätigt wurde. Von diesem Datum an wurden keine weiteren Änderungen in der Behandlung mehr vorgenommen bis zur Vollendung der Heilung. [Begründung für die Mittelwahl: Das Auftreten eines neuen Tumors bedeutet, dass etwas falsch läuft; Clarke wird nun etwas nervös und verordnet zur Sicherheit mehrere Mittel parallel: Phyt. und Scroph-n. bezogen auf die Pathologie (Brustkrebs) und Scirrh. bezogen auf die Pathologie und die Diathese.]
13. Dezember [4 Wochen]: Knoten kleiner, kein Schmerz in ihm. Kein Rheumatismus im Arm. Keine Frostigkeit auf der rechten Seite in diesem Winter [seit Thuja; Clarke hat später dieses durch Thuja geheilte Symptom in seiner Materia Medica nachgetragen]. Wiederholung der Verordnung.18. Januar (1908) [= 4 Wochen]: Der Knoten scheint kleiner zu sein. Herpes auf den Lippen. [...] Wiederholung der Verordnung.
2. März [= 6 Wochen]: Knoten beinahe weg. Der Magenschmerz auf der linken Seite ist zurückgekommen [das präkanzerose Symptom kommt wieder! S.u. mehr dazu]. Wiederholung der Verordnung.
23. März [= 3 Wochen]: Eine Menstruation ist ausgefallen. So war es schon einmal vor
3 Jahren. Wiederholung der Verordnung.
25. Mai [= 4 Wochen; 1,5 Jahre nach Beginn der Behandlung]: Es ging ihr sehr viel besser. Alles, was in dem Knoten übriggeblieben ist, ist ein kleiner Pickel mit Inhalt. Als die Patientin
2 Monate später wieder vorsprach, war der Knoten total verschwunden, und die Patientin war von ihrer Diathese geheilt [Na, so schnell geht das nun doch nicht...]. Es ist eine erstaunliche Besserung ihrer allgemeinen Gesundheit und ihres Aussehens festzustellen.“
(Clarke / Fall XIl aus: Die Heilung von Tumoren durch Heilmittel, 1908)
Strategie d) Krebsnosoden
Als Alternative oder als Ergänzung zu den Strategien I - III eignet sich immer die Anwendung von Krebsnosoden, z.B. Carc., Scirrh.
Viele heutige Homöopathen sind eher (zu) vorsichtig mit der Gabe von Carc. bei Tumoren, dabei ist dieses Mittel bei einer Diagnose Krebs automatisch schon im Spiel - als erstes Mittel, als Zwischenmittel, als Reaktionsmittel, manchmal als einziges Heilmittel, etc.!
R. M. Le Hunt Cooper, der Sohn von R. T. Cooper formulierte es auf dem Krebskongreß 1927 so: “Ich würde es als Maxime formulieren: >Es gibt keinen Fall von Krebs, bei dem Carc. nicht in irgendeinem Stadium von Vorteil sein wird<, so dass ich sogar das Sprichwort wähle: >Wenn im Zweifel gib Carc.<~ (aus: Clarke/The Therapeutics of Cancer)
Indikationen für den Einsatz einer Krebsnosode sind zusätzlich:
a) das häufigere Auftreten von Krebs in der Familie !!
b) eine typische Krankheits-Chronologie des Patienten im Sinne einer Krebsdiathese (z.B. Auftreten aller 3 Miasmen von Kindheit an, untypischer Verlauf der Kinderkrankheiten, Häufung von benignen Tumoren und/oder Hautwucherungen wie Warzen etc., Mononukleose, chronische Schlaflosigkeit, Krebsphobie, u.a.)
c) deutliche und klare Carcinosinum-Symptome
d) eine Symptomatik, die auf viele verschiedene Mittel hinweist („aus jedem Dorf ein Hund“)
Die alte und die moderne Literatur ist voll von Fällen in denen Carcinosinum den Tumor heilte oder verkleinerte oder den Zustand des Patienten besserte, so dass ich nur einen kleinen Fall anführen möchte:
Bsp. 4: Zungenkrebs/Dr. Ahmad
„Eines Morgens (...) bat mich ein junger Mann seinem 80-jährigem Vater zu helfen, welcher an Zungenkrebs litt. Der Krebs war, nach erfolgloser Bestrahlung, von einem berühmten Krebsinstitut in Kalkutta als unheilbar erklärt worden. Der Patient litt unter schrecklichen Schmerzen. Er konnte weder essen noch trinken. Jegliches Essen oder Trinken, egal ob kalt oder warm, verursachte heftige Schmerzen. Er war praktisch am Verhungern. (...) Ich sah etwas weißen Schorf am Zungengrund, wie weißer Leim. Ich dachte sie hätten ihm eine Paste darauf geschmiert, aber sie verneinten und meinten es wäre dieses weiße Ding, welches diese extremen Schmerzen verursache. (...) Der Mann konnte nicht deutlich sprechen und seine Angehörigen konnten mir keine brauchbare Vorgeschichte liefern, so dass dies ein symptomarmer Fall war. Ich gab ihm 3 Pulver Carc. M, welche er an drei aufeinanderfolgenden Morgen einnehmen und mich dann vom Ergebnis informieren sollte. Aber niemand kam um mir von ihm zu berichten. 6 Monate später kam sein Sohn zufällig vorbei und erzählte, dass am 3. Tag die weiße Kruste abfiel und die Schmerzen vollständig verschwanden. Sein Vater konnte selbst wieder feste Nahrung zu sich nehmen, und starb dann 3 Monate später friedlich. Ich fragte ihn, warum sie nicht zur weiteren Behandlung in meine Praxis kamen, und er antwortete, da Krebs sowieso nicht heilbar sei, wäre auch jede Behandlung nutzlos, und da ihr Ziel, die Linderung der Schmerzen und das wieder essen können, erreicht worden wäre, seien sie nicht gekommen.“ (Dr. A. Ahmad, P.C.H.J., Bd.38, 1971)